Norbert Allram und Kerstin Lechner, die Landesleitung der Landjugend Niederösterreich spricht über die erfolgreiche Aktion Jung für Alt.
Neu.Land.Leben: Liebe Kerstin, lieber Norbert. Die Landjugend Niederösterreich war eine der ersten Jugendorganisationen die schon am Anfang des ersten Lockdowns ein innovatives Sozialprojekt aus dem Boden gestampft hat. Was hat euch dazu bewegt?
Kerstin: Unsere Mitglieder sind jung und fit. Uns fällt es einfacher, den Alltag in diesen schweren Zeiten zu bewältigen, als beispielsweise den Risikopatienten. Wir haben uns dazu entschlossen, dass nicht nur wir persönlich, sondern auch die gesamte Gesellschaft davon profitieren soll. Das sehen wir nicht als großartige Heldenaktion, sondern teilweise auch als Selbstverständlichkeit.
Neu.Land.Leben: Wer sind diese Menschen, die von euch unterstützt wurden und wie ging es diesen Personen damit, dass sie teilweise auf die Hilfe von anderen angewiesen sind?
Norbert: Die eine Geschichte ist unsere Aktion die wir in den einzelnen Ortssprengeln organisiert haben. Das sind ganz normale Menschen die auf uns zugekommen sind, meist natürlich ältere Leute, die aus irgendwelchen Gründen keine jüngere Generation in greifbarer Nähe haben. Manchmal wurden wir aber auch von jüngeren Menschen um Hilfe gebeten, einfach weil sie unter Krankheit leiden und kein unnötiges Risiko eingehen wollten. Man muss ja auch sagen, es geht ja bei den einzelnen Aktionen nicht um großartige Projekte, sondern wirklich um die simplen Dinge im Leben. Wir haben Einkäufe erledigt oder Besorgungen in der Apotheke gemacht.
Mit Beginn des zweiten Lockdowns hat sich unsere soziale Aktion dann auf die Pflege- und Betreuungszentren in Niederösterreich konzentriert. Dort haben wir von November bis Februar nicht nur die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner unterstützt, sondern auch das Personal entlastet. Im Rahmen der Aktion Füreinander Niederösterreich haben unsere Mitglieder nämlich Eingangskontrollen übernommen, damit sichergestellt werden kann, dass keine erkrankten Personen die Pflegeheime betreten.
Neu.Land.Leben: Das Klischee von den Leuten am Land wird ja auch oft mit einer gewissen Sturköpfigkeit und Undankbarkeit verbunden. Jetzt seid ihr da live draußen bei den Personen gewesen - hatten Eure Mitglieder manchmal mit der „Undankbarkeit“ der Menschen zu kämpfen?
Kerstin: Nein gar nicht. Also das ist ein Klischee, das wir nach diesen vielen Einsatzstunden gar nicht bestätigen können. Im Gegenteil, wir konnten sogar manchmal genau das Gegenteil beobachten. Ältere Menschen, die sich zuvor oft über unsere Ortssprengel und die angeblichen Unsitten beschwert haben, sind jetzt froh, noch einen Landjugend-Sprengel vor Ort zu haben.
Neu.Land.Leben: Unser Verein hat es sich ja zum Ziel gesetzt, aufzuzeigen, wie schön das Leben am Land eigentlich ist. Wir beobachten in den letzten Jahren, dass sich der Trend der Landflucht jetzt wieder umkehrt - vor allem auch in den jüngeren Bevölkerungsgruppen. Warum könnte der Lebensraum Land für Euch Junge in Zukunft ein guter Lebensraum sein?
Norbert: Ich denke, da braucht es nach diesem Jahr nicht viele Worte. Ich glaube, viele Leute lernten die Vorteile des ländlichen Raums mehr zu schätzen. Landschaft, Natur und Bewegungsfreiheit wurden in Zeiten von zahlreichen Einschränkungen stärker in den Fokus gerückt. Während früher die räumliche Distanz zwischen Arbeitsplatz oder Studium eine große Herausforderung darstellte, so sind durch Home Office und Distance Learning diese Hindernisse leichter zu überwinden. Gerade in Krisenzeiten stellt sich eine gute Dorfgemeinschaft, in der man sich wie beim Jung hilft Alt Marathon gegenseitig unterstützen und helfen kann, als große Stütze dar.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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