Co working spaces bringen die ruralen Gebiete in die Poleposition im Rennen um den attraktivsten Arbeitsplatz
Was in Deutschland und der Schweiz schon seit Jahren geübt und praktiziert wird, ist in der österreichischen Arbeitskultur derweil noch fremd. Die Gründung von Co working spaces verfolgt das Ziel, Orte zu schaffen, an denen die Menschen zusammenkommen um gemeinsam, aber nicht zwingend miteinander zu arbeiten. Was sich gegensätzlich und kompliziert anhört, ist eigentlich ganz simpel und wird eines der elementaren Werkzeuge sein, um die Arbeitsplätze aus der Stadt weg, bis nach Hinterholz 8 zu verlegen.
Die Vorteile sind gewichtig: Co working am Land ist gut für die Beschäftigten in zeitlicher und finanzieller Hinsicht. Co working am Land ist aber vor allem gut für Umwelt, erweitert die Einzugsgebiete von Fachkräften, bietet wirtschaftliche Vorteile für die Unternehmen und fördert zudem die Regionalentwicklung und das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen. Coworking ist auch im Begriff das gewohnte Immobiliengefüge in großen Städten neu zu ordnen. Denn natürlich entsteht mit jedem Co working space am Land, ein geringerer Büroflächenbedarf in den Metropolen, der ohnehin jetzt schon nicht mehr gedeckt werden kann. Deshalb werden gerade auch in Deutschland diese Piloten vorangetrieben. Das gemeinschaftliche Arbeiten am Land bedient eine breitere Zielgruppe und hat eine größere Integrationskraft als in der Stadt. Es wird von all jenen nachgefragt, die ein Bedürfnis nach Gemeinschaft haben und sich ihren Arbeitsort frei auswählen können.
Neue Arbeitsorte am Land sind gegenwärtig und konkret
Woraus besteht nun also so ein Co working space am Land? Coworking Spaces können ihre Mitglieder mit vielen Kriterien überzeugen, wobei der niedrige Preis zu einem der Wichtigsten zählt. Er sollte weit unter dem für ein normal ausgestattetes Büro in der Stadt liegen. Eine gute Erreichbarkeit, flexible Mietverträge für die Unternehmen die ihre MitarbeiterInnen dort einmieten, eine gute Basisausstattung sowie eine ansprechende Arbeitsatmosphäre der Räume. Auch gebrauchte Tische vom Küchentisch bis Tischtennisplatten erleben in einem Coworking Space oft ein Revival. Die technische Ausstattung der Räume reduziert sich auf die Geräte, die für die Büroarbeit unumgänglich sind. Teure Telefonanlagen an jedem Platz gehören selten dazu, weil Handy und WLAN meist ausreichen.
Co worker sind mit diesem Angebot meist schon sehr zufrieden- denn da kommen ja noch viele Vorteile dazu, die sich durch einen Gemeinschaftsarbeitsplatz am Land automatisch ergeben .
Menschen können wohnortnah gut ausgestattete Arbeitsplätze nutzen und müssen nicht mehr zwingend in die Nähe des Betriebsortes ziehen oder tägliches Pendeln auf sich nehmen. Das frisch gebackene Semmerl von der ortsansässigen Familienbäckerei vor die Bürotür geliefert bekommen, die Möglichkeit zu einem Mittagsspaziergang im Naturparkgebiet nebenan und die Kinderbetreuung durch den Kindergarten im Dorf kann jederzeit flexibel und spontan gestaltet werden. So fühlen sich Co worker Pudel Wohl in ihrem Arbeitsalltag.
Anbieter von Co working spaces die noch eines draufsetzen wollen, spezialisieren sich auch auf den Ausbau der sozialen Erfolgsfaktoren. Denn der Erfolg hängt weniger von einer luxuriösen Ausstattung ab, als von den vielen beratenden und unterhaltenden Veranstaltungen, die im Space für die Mitglieder organisiert werden, oder von den Mitgliedern selbst organisiert werden. Gemeinsames Gartln im Co working garden oder gemeinsame Abendessen im Dorfwirtshaus stärken die Bindungen und die produktive Zusammenarbeit untereinander.
Standortnachteile werden künftig zu Standortvorteilen
Die Präsenzkultur innerhalb vieler Arbeitsorganisationen wird sich dramatisch ändern. Unabhängig davon ob jemand das System "Co working“ für gut oder schlecht befindet, es wird die Zukunft des Arbeitens am Land sein. Deshalb gilt es, sich schon jetzt auf die gravierenden Auswirkungen vorzubereiten.
Verkehrsströme und Pendlerrouten werden sich in Richtung zunehmenden Regionalverkehr verlagern. Der Gewerbeimmobilienmarkt wird eine größere Nachfrage nach Bürogebäuden „im Grünen“ und eine Abnahme der Nachfrage nach Innenstadtflächen spüren. Ländliche und vormals strukturschwache Regionen müssen sich mit dementsprechender Infrastruktur auf den Zuzug oder das „Dableiben“ von Arbeitskräften vorbereiten. Schließlich wird auch der private Immobilienmarkt von dieser Verlagerung betroffen sein, weil die eigenen „vier Wände“ an Bedeutung gewinnen, wenn Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen. Wir vermuten daher, dass die Nachfrage an Einzelimmobilien im eher ländlichen oder kleinstädtischen Raum weiter steigen und der Wohnungsmarkt in den Ballungsgebieten sich entspannen wird.
Uns steht ein Umbruch und eine Rennaisance bevor, der den bisherigen Städtebau und die Städteplanung revolutionieren wird.
Mit dem Arbeiten auf dem Land wandelt sich ein Standortnachteil in einen Standortvorteil und öffnet den Zugang zur stetigen Steigerung der Lebensqualität für die Menschen am Land.